letztes Update:
16.05.2010

Informationen über Flusskrebse

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen die Flusskrebse etwas näher vorstellen.
Näheres über die einzelnen Arten erfahren Sie unter "Flusskrebsarten in SH" und "Flusskrebse bestimmen".

Lebensraum

Flusskrebse leben im Süßwasser. Sie können quasi alles bevölkern, vom großen Stausee über Flüsse bis zur kleinen Au. Dabei haben verschiedene Flusskrebsarten auch verschiedene Vorlieben: Der Edelkrebs mag es zum Beispiel lieber kiesig, während der Kamberkrebs auch schlammigeren Grund nicht verschmäht.

Körperbau

Alle Flusskrebse sind gleich gebaut. Nur kleine Unterschiede machen unterschiedliche Arten aus. Diese werden unter "Flusskrebse bestimmen" beschrieben.

Viele Tiere können in Kopf, Brust und Schwanz eingeteilt werden. Bei den Flusskrebsen ist das etwas anders: Der Krebskörper wird nur in 2 Bereiche eingeteilt (Kaestner, 1993; Westheide & Rieger, 2007):
  1. Kopf und Brust sind so sehr miteinander verschmolzen, daß sie zusammengefaßt werden. Dieser Bereich wird von dem sichtbaren Brustpanzer ("Carapax") überdeckt. Seitlich zieht sich der Brustpanzer weit herunter (vom "Rücken" zum "Bauch"), sodass eine fast geschlossene Atemkammer gebildet wird. In dieser Atmkammer liegen die Kiemen. Am Vorderrand ist der Carapax zu einer "Krebsnase" ("Rostrum") ausgezogen (Kaestner, 1993).

    Der Kopfteil ist Träger vieler Sinnesorgane, zwei Paaren Antennen und der Mundwerkzeuge. Unabhängig voneinander bewegliche Stielaugen ermöglichen ein Gesichtsfeld von 360° (Hager, 2003).

    Die Brust besteht aus 8 Segmenten. Jedem ist ein Beinpaar zugeordnet (s.u.).

  2. Der Schwanzteil ("Pleon") besteht aus 6 Segmenten ("Pleomeren"). Auch hier trägt jedes Segment ein Extremitätenpaar (s.u.). Den Abschluß des Abdomens bildet das Telson, das den After trägt.



Die Beine:

Die Brust besteht aus 8 Segmenten. Jedem ist ein Beinpaar zugeordnet:
  • Die ersten drei Paare sind zu "Maxillipeden" umgebildet, einer Mischung aus Mundwerkzeugen und Laufbeinen. Sie sind an der Nahrungsaufnahme beteiligt. Um sie zu sehen, muß man schon genauer hinschauen.
  • Das vierte Beinpaar ist aufgrund der großen Scheren ausschließlich zur Nahrungsaufnahme geeignet.
  • Die folgenden beiden Beinpaare sind zum Laufen bestimmt, haben jedoch jeweils eine kleine Schere, die zum Festhalten von Nahrung genutzt wird.
  • Beinpaare 7 und 8 sind nur zum Laufen bestimmt.

Der Schwanzteil ("Pleon") besteht aus 6 Segmenten ("Pleomeren"). Auch diese haben jeweils ein Paar kurze Extremitäten ("Pleopoden"). Diese Schwimmfüßchen dienen der Fortpflanzung: Die ersten beiden Pleopoden der Männchen ("Gonopoden") sind zu Kopulationsorganen (s. Abb. rechts) umgebildet. Diese fehlen den Weibchen. Sie heften die Eier an die vier verbleibenden ehemaligen Schwimmbeine.

Flußkrebse sind ausschließlich Läufer. Ihre Schwimmfähigkeit haben sie jedoch nicht vollständig verloren: Als Fluchtreflex blieb die Schwimmbewegung des Schwanzfächers erhalten (Kaestner, 1993).

Begattungsgriffel (gepunktet)

Fortpflanzung

Die Paarung findet im Herbst statt. Hierzu dreht das Männchen das Weibchen auf den Rücken und heftet mit Hilfe der Gonopoden Spermapakete um die Geschlechtsöffnung oder an das Schwanzende des Weibchens. Nach einiger Zeit (artabhängig) werden die Eier in einem Schleimzelt ausgestoßen, das die Spermapakete löst. Die tatsächliche Befruchtung findet also später außen am Körper des Weibchens statt. Anschließend betreibt das Weibchen intensive Brutpflege: Die an die Pleopoden gehefteten Eier werden ständig in Bewegung gehalten, um eine optimale Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten. Zusätzlich werden die Eier überprüft und abgestorbene entfernt. Ein Temperaturabfall auf unter 5 °C löst die Entwicklung der Eier aus. Anfang Sommer schlüpfen die Krebslarven. Sie sind unselbstständig und hängen noch an den Pleopoden der Mutter. Nach etwa einer Woche häuten sie sich das erste Mal, und die jungen Krebse befinden sich in ihrem ersten Stadium (Hager, 2003).



Literatur:
  • Kaestner A. (1993): Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Bd. I Teil 4: Arthropoda (ohne Insecta), 4. Auflage; Gustav Fischer Verlag, Jena.
  • Hager J. (2003): Edelkrebse - Biologie, Zucht, Bewirtschaftung, 2. Auflage; Leopold Stocker Verlag, Graz.
  • Westheide W. und Rieger R. (2007): Spezielle Zoologie, 2. Auflage; Elsevier GmbH, München.