letztes Update:
16.05.2010

Krebspest...

...damals, 1896:

"Eine erst in neuerer Zeit in einem Teil von Frankreich, Deutschland und Österreich aufgetretene Seuche unter den Krebsen, die ungemein schnell verläuft und die Tiere zu Tausenden innerhalb weniger Tage hinwegrafft. [...] auch die preußischen östlichen Provinzen, deren Reichtum an Krebsen berühmt war, sind in neuester Zeit stark heimgesucht worden. An zahlreichen Orten ist die Krebszucht neben dem Krebshandel total vernichtet oder auf ein Minimum reduziert worden."
(Meyers Konversationslexikon, 5. Auflage)


... heute, 2009:

"Um die beiden wunderschönen Fische besser beobachten zu können, setzte ich sie in mein Aquarium. [...] Im Aquarium waren Mitte Juni alle Tiere verendet. [...] Im Elternteich [...] stellte ich mit Schrecken fest, daß Edelkrebse auf der Wasseroberfläche trieben. [...] Der Augenblick der Erkenntnis und der entsprechende Schock werden mich mein Leben lang begleiten - war doch die Arbeit von 4 Jahren zunichte!"

(Winfried Langenfeld in forum flusskrebse, Heft 9)


Was ist die Krebspest?

Der Erreger der sogenannten "Krebspest" ist der Schlauchpilz Aphanomyces astaci (SCHIROKA) und kommt aus Nordamerika.

Innerhalb der letzten 150 Jahre breitete sich dieser Pilz in ganz Europa rasant aus und vernichtete nach und nach fast alle Bestände der Edelkrebse (Hager, 2003). Die Lücke, die nun entstand, wurde mindestens ebenso rasant von dem amerikanischen Kamberkrebs gefüllt, der bereits 1880 von dem Fischzüchter Max von der Borne im Odergebiet ausgesetzt worden war (Smolian, 1926). Während die Krebspest für den Edelkrebs (Astacus a.) tödlich ist, ist der infizierte Kamberkrebs resistenter Träger dieses Schlauchpilzes (Hager, 2003). Damit hat er dem Edelkrebs gegenüber einen klaren Vorteil: wo auch immer der Kamberkrebs auf Astacus a. trifft, wird er ihn mit Hilfe des Pilzes verdrängen.


Gibt es die Krebspest auch in Schleswig-Holstein?

Ja, auch nach Schleswig-Holstein kam die Krebspest.

Anschließend kam der Kamberkrebs, zunächst durch Wanderung und später auch durch Besatz. Er brachte manchmal die Krebspest erneut mit sich und begann, den Edelkrebs noch weiter zu verdrängen, auch im Stocksee südlich von Plön:
Noch vor rund 300 Jahren wurden hier jährlich mehr als 9000 Edelkrebse (Astacus astacus, L.) nachhaltig gefangen und als fester Bestandteil des Pachtvertrages als Pachtzins abgegeben (Pöhls, 1950) - heute sind sie dort ausgestorben (Hartmann et al., 2006). An die Stelle des Edelkrebses trat bald der Kamberkrebs (Orconectes limosus, RAFINESQUE, 1817).

Die in SH vorkommenden amerikanischen Krebse können Träger der Krebspest sein. Werden heimische Krebse damit infiziert, so stirbt der gesamte Bestand. Der Krebspestpilz befindet sich nicht nur an den infizierten Tieren, sondern seine Sporen befinden sich auch im Wasser.
Um zu verhindern, daß sich die Krebspest ausbreitet, beachten Sie bitte:

  • Ihre Ausrüstung und Ihre Kleidung müssen vor einem Gewässerwechsel richtig trocken sein!
  • Gehen Sie NIE mit noch feuchtem Gerät und Kleidung an oder in ein anderes Gewässer.
  • Achten Sie bitte auch darauf, daß Besatzfische aus krebspestfreiem Gewässer stammen!
  • Setzen Sie KEINE Krebse oder andere Wassertiere aus dem Zoogeschäft aus.

Literatur:
  • Hager J. (2003): Edelkrebse - Biologie, Zucht, Bewirtschaftung, 2. Auflage; Leopold Stocker Verlag, Graz.
  • Hartmann U. (2004): Projektierungsstudie für die Verbesserung der Bestandsentwicklung von Edelkrebsen in Schleswig-Holstein; Landessportfischerverband Schleswig-Holstein e.V.
  • Pöhls H. (1950): Der Stocksee. Die Heimat 57, pp. 339 - 341.
  • Schwörbel J. und Brendelberger H. (2005): Einführung in die Limnologie, 9. Auflage; Spektrum Akademischer Verlag, München.